Stadtgeschichte

Auf dieser Seite werden wir uns in unregelmäßiger Folge mit kleinen Relikten, überkommenen Gerüchten und lokalen Eigenheiten aus der Vergangenheit Wettins beschäftigen. Dabei erheben wir keinen Anspruch auf höchstwissenschaftliche Darlegung (aber ein wenig schon!) und schon gar nicht auf Allwissenheit. Wer mag, kann uns gern (ganz seriös per email) korrigieren, ergänzen oder wenn's denn wirklich sein muss auch revidieren.

1. Die Pfandflasche

(F. Dobberstein, Februar 2026)

Vorgeschichte: Im vergangenen Herbst überraschte uns ein Vereinsmitglied mit einem in Dobis gefundenen Bügelverschluss. Aufgedruckt war (siehe Bild) "H. NAGEL - WETTIN." Natürlich wurde im Verein - nicht ganz unaufgeregt - über die Existenz einer vergessenen Brauerei spekuliert. Aus den wenigen mir vorliegenden Quellen ließ sich allerdings nur feststellen, dass Hermann Nagel 1905/06 schnöder Selters- bzw. Mineralwasserfabrikant war. Laut Eintrag im Grundbuch von Wettin (Grundbucharchiv Barby) hatte der Herr Nagel das Grundstück Mühlgasse 380b käuflich erworben, wo er höchstwahrscheinlich seinem Gewerbe nachging. Die Sache schien damit geklärt...

 

 

Bügelverschluss Nagel/Wettin um 1905/15, Fundort Dobis 2025, Fiedler.

Bügelverschluss einer Flasche der Brauerei Nagel/Wettin, um 1905/15, Fundort Mühlgasse (Fam. Seifarth).

 

Anfang Dezember 2025 stiftete Familie Seyfarth dem Altstadt Wettin e.V. eine alte und gut erhaltenen Pfandflasche, die sie einst bei der vorbildlichen Renovierung ihres Wohnhauses entdeckt hatte. Die Aufschrift auf der Flasche selbst lautete ebenfalls "H. NAGEL WETTIN". Auf dem Bügelverschluss findet sich sodann zu lesen: "BRAUEREI HERM. NAGEL WETTIN a/S."

Flasche der Brauerei Nagel/Wettin, um 1905/15, Fundort Mühlgasse (Fam. Seifarth).

Weitere Recherche schien angebracht. Im Wettiner Stadtarchiv fand sich tatsächlich nach längerer staubiger Suche eine Akte mit dem Titel "Anlage einer Bierbrauerei und Bierhandel", beginnend 1889. Trotz vielversprechendem Titel, war der Inhalt leider recht dürftig. Immerhin enthält sie eine Erwähnung der Brauerei Nagel. Im Jahre 1911 verfasste der Inhaber Hermann Nagel höchstpersönlich einen für die höhere Landesstatistik benötigten Bericht, in dem er angibt, dass "das von mir gebraute Karamelmalzbier, fast, also nicht ganz 2 % Alkoholgehalt" habe.

Bericht Hermann Nagels 1911 (Sig.: Stadtarchiv Wettin, Tit. VII Nr. 8, o.f.).

Ein weiterer Hinweis ergab sich aus dem ebenfalls im Stadtarchiv befindlichen Seelenregister von 1915/16 (ohne Signatur!). Demnach bewohnte der "Brauereibesitzer" Hermann Nagel samt Ehefrau und zwei Töchtern das erwähnte Haus in der Mühlgasse 380b. Zu erfahren ist weiterhin, dass Nagel 1868 geboren wurde und aus Querfurt stammte.

Die Brauerei scheint den 1. Weltkrieg offenbar nicht überlebt zu haben. Schon in den Adressbüchern für den Saalkreis von 1921 fehlt die Familie Nagel. Und um das letzte (kleine) Rätsel noch zu lösen: die Mühlgasse 380b trägt heute die Nummer 10...

Wie danken der Fam. Seifarth!

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